unglaublich, aber wahr: Bereits vor 4 Jahrzehnten revolutionierten die in insgesamt zwei Chargen gelieferten DE 1002 den regionalen Güterverkehr der beiden später miteinander verschmolzenen großen Kölner Privatbahnen KBE und KFBE (Köln-Bonner und Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn). Mit den beiden Ende 1986 ausgelieferten Loks DE 81 und 91 begann bei den beiden Bws Brühl-Vochem und Köln-Bickendorf das Zeitalter der Drehstromantriebstechnik. Die goldrichtige Entscheidung für die moderne Technik in dieser Zeit wird durch die Tatsache bestätigt, daß bei der heutigen RheinCargo noch heute alle 16 Maschinen im Einsatz sind.
Meine erste Begegnung mit der neuen Loktype war damals im Kölner Stadtwald, als wir mal wieder dem leeren "Bottroper" Quarzsandzug im Stadtwald Köln-Lindenthal auflauern wollten, wenn auch wetterbedingt ohne Kameras. Es war nämlich naßkaltes Winterwetter mit Schneefall (in Köln!), als sich zu einer ungewohnten Zeit in der Ferne die Schranken an der Friedrich-Schmidt-Straße schlossen, und das feuerrote Spielmobil die Straße gen Frechen kreuzte. Bei ihrer Rückkehr war es leider schon dunkel. Schlag auf Schlag wurden die ersten zehn Exemplare (81-85 KBE und 91-95 KFBE) binnen weniger Monate abgeliefert, und bereinigten (leider) bald die Typenvielfalt des KBE/KFBE-Lokpools aus Deutz Drehgestell- und Stangenloks (Die Mak-Stangenloks waren bereits so gut wie weg), immerhin bekamen erstere noch eine Gnadenfrist durch eine Modernisierung, die optisch nur wenig am wuchtigen Aussehen änderte. Die Daten waren allerdings auch beeindruckend: 1.320 kW (1.800 PS) beschleunigten die kompakten, auf 90 t hochballastierte Loks mit dezentem Stromrichtersummen auf Anfangs 70 (später 90) km/h, es war fast egal, was am Haken hing, die Luftpresserleistung war enorm, und machte sich bei langen Zügen schnell bemerkbar. Fast 800 Tonnen zerrte sie ohne zu murren nach Knapsack hoch...
01 - Am Ablaufberg Bickendorf fuhr mir prompt das noch fast taufrische KBE-Gegenstück vor die Kamera - gut zu erkennen sind vier der acht beiderseits am Rahmen angeschraubten Ballastgewichte links und rechts des Kraftstofftanks der sonst meist mit 80 t ausgelieferten Maschine:

02 - Die Kölner DEs trugen sogar unter dem KVB-Logo den handgemalten Schriftzug "Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn", bei einer überstand dieser sogar die HGK-Umwidmung. Hier zieht die 93 einen beachtlichen Zug aus den damaligen Rheinischen Olefinwerken ROW in den Bahnhof Brühl-Vochem. Offenbar rollt er nach Kendenich, denn er steuert die damals noch erreichbaren Pz-Gleise an...direkt neben der Lok sind die für den Mischbetrieb mit der Stadtbahn typischen beweglichen Herzstücke der Weichen und Kreuzungen schön erkennbar.

03 - Als in Frechen noch der Bär steppte, entstand dieses Bild eines gemischten Übergabezuges dorthin. Bündelbrikett, Quarzsand, Frachten....aber auch am Hp Haus Vorst sieht es heute ganz anders aus....

04 - Die Nummer 95 wurde nach der Anpassung an DB-Anforderungen und der damit einhergehenden Umzeichnung Anfang der 90er nicht mehr besetzt. Aus 81-85 und 91-95 wurden 71-76 und 91-94, die Nummern 81-86 wurden mit einer Zweitlieferung 1993 neu vergeben, diese Maschinen waren schon weiterentwickelt, und enthielten MICAS-Steuerrechner und Doppeltraktionssteuerung. Hier ist die 95 noch flammneu und glänzt im ersten Lack im Bw Bickendorf:

05 - Auf diesem schön ausgeleuchteten Portraitbild wird deutlich, daß DE 83 wohl in staubiger Umgebung unterwegs war, vermutlich war sie am damals neuen Feuchthydrat-Umschlag am Kran 10 in Köln-Godorf, der gleichzeitig das Ende der Bauxit-Pendelzüge Niehl Hafen - Quadrath-Ichendorf bedeutete. Auch gut erkennbar, die traditionelle Seitenbezeichnung H ("hinten").

06 - Sagte ich was von Bauxitpendel? Ach ja, da ist er schon....Am Bahnübergang Butzweiler Straße, gleich an der Wendeschleife der KVB-Linie 5 rumpelt ein Leerzug mit den erlaubten 50 km/h dem Hafen entgegen....heute ist hier kaum noch etwas so, wie auf dem Bild: Das vordere, zeitweise stillgelegte und zum Abstellen nicht benötigter Wagen genutzte Gleis ist die heute (wieder) genutzte Verbindung zum ehemaligen Rangierbf. Köln Nippes, wo es sich heute lediglich am neuen DB-Betriebshof vorbei mogelt, und die 5 überquert hier auf einer Brücke die HGK-Strecke. Ein Street-View-Bild von hier gibt es jedoch aufgrund der direkten Nachbarschaft zur JVA nicht.

07 - Dafür gibt es eins von der Rückleistung. Voll beladen mit dem roten Erz geht es zum Bf. Ehrenfeld, wo der Ganzzug von einer 140 übernommen wird, und über die eigens dafür bis ins Werk elektrifizierte Strecke via Horrem nach Quadrath-Ichendorf zum Martinswerk gebracht wird. Die Fahrleitung ist übrigens nach Einstellung des Bauxitverkehrs wieder bis auf winzige Reste abgebaut worden. Warum auch immer ist der Scan etwas kleiner geraten:

08 - Kurz vor dem Ende der "Grünen Hölle Stadtwald" am Bü "Friedrich-Schmidt-Straße" tauchen die beiden 1002 DE 92+94 wieder kurz in das Tageslicht ein. Die offene Tür deutet auf hohe Temperaturen hin, der Lokführer war sicher dankbar für die paar Minuten Schatten während der gemächlichen, von Dauerläuten begleiteten Durchfahrt durch den von Wanderwegen durchzogenen und mit entsprechend vielen technisch nicht gesicherten Bahnübergängen "gesegneten" Waldabschnitt. Selbst zum Picknicken, wozu diese Wiese gern genutzt wird, scheint es zu warm zu sein im Sommer des Jahres 1988.

09 - Leider nicht ganz scharf trotz der niedrigen Geschwindigkeit geht mir am obersten der genannten BÜs die 94 mit dem "Bottroper" ins Netz, der Montags bis Freitags immer sehr pünktlich gegen 17:40 durch den Stadtwald rumpelte. Wenn er am Signal des Abzw. Lind warten mußte, blockierte er zwei dieser Wege. Mutige Radler und Wanderer stiegen über die Bühnen, und konnten im schlimmsten Falle den anrollenden Zug noch verlassen. Nach Einführung der 1002 zogen diese Zügen dann bei Fahrtstellung deutlich zügiger an, als die alten Deutz-Loks und es kam mehr als einmal vor, daß ein wütender Radler in Frechen vom 7. oder 8. der 20 Wagen geholt werden mußte.

10 - Und zum Abschluß einen Blick in den Schuppen Bickendorf, wo die beiden Generationen KFBE-Loks in Form von DE 95 und V 75 einträchtig nebeneinander stehen. Der Werkstattmitarbeiter erkundigt sich offenbar gerade bei einem nicht sichtbaren Kollegen, welcher Lok denn die nächste Tätigkeit gelten soll...

So weit die Auswahl älterer Bildchen aus meinem Fundus zur DE 1002. Damals hätte ich nie gedacht, daß ich nur 10 Jahre später auf einem solchen Gerät meine Lokführerprüfung absolvieren, und im Jahre 2026 eine Hommage an diese zuverlässigen Arbeitstiere verfassen würde. Bei Interesse kommen gern noch weitere, etwas jüngere Bilder mit völlig neuen Perspektiven aus der Karriere bei der späteren HGK, die aber auch schon alle mindestens zwanzig Jahre alt sind.
Gruß Marko